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 Airmodel AM-298 Blohm & Voss Bv 239  

SCALE 1/72

   Airmodel  Vakubausatz    
   gebaut und berichtet von Herrn Alexander Schuch (GER)    
       
Daten:     
Sechsmotoriger Schulterdecker mit hochgesetztem Leitwerk und dreifach unterteiltem Bootsrumpf. Entwickelt von Blohm & Voss in Hamburg -Finkenwerder.
 
Länge:                                  43,36 m
Spannweite:                          60,17 m
Höhe:                                   13,40 m
Testbesatzung:                     11 Mann
Reisegeschwindigkeit:         355 km/h
Höchstgeschwindigkeit:       388 km/h
Reichweite max.:             12400 km
Dienstgipfelhöhe:               7300 m
Startgewicht max.:            94 000 kg
Zuladung max                   40 000 kg
Oder:   150 Soldaten mit voller Ausrüstung
Antrieb:     6 „DB 603 A“ je 1750 PS
Länge Transportraum:          27 m
Breite Transportraum:          2,6 - 3,3 m
Höhe Transportraum:           2,1 m

Verwendung:     vorgesehen als Seefernaufklärer, Fernbomber und Großraumtransporter


 

Geschichte:     

Dieses, für den zivilen Nonstop-Atlantikverkehr der Lufthansa geplante Wasserflugzeug, wurde erst nach Kriegsbeginn fertig gestellt und vom 11.März bis zum 26.Juni 1944 erfolgreich auf der Unterelbe nahe Hamburg-Blankenese erprobt.
Nach den Testflügen sollte das Großflugzeug (Kennung „RO + EZ“) wegen der zunehmend schwieriger werdenden Versorgungslage stillgelegt werden, wurde aber zuvor durch die Erprobungsbesatzung zum Schaalsee, nahe dem Ort Seedorf auf der Insel Rügen, ausgeflogen. Die „„BV 238“ V 1“ wurde in einer kleinen Bucht östlich des Dorfes vertäut. Trotz des bestehenden Erprobungs- und Flugverbotes ist das Flugboot ständig vollständig einsatzbereit gehalten, die Motoren gelegentlich in Betrieb genommen und sogar Umbauarbeiten an der Triebwerksanlage und der Luftschraubenverstellung wurden vorgenommen.
Die Zerstörung erfolgte dann am 4. Mai 1945 durch Bordwaffenbeschuss von 4 Hawker „Typhoon“ Jagdbombern.
Ihre beiden Nachfolgemuster „V 2“ und „V 3“, erst zu 70- bzw. 30 % fertig gestellt, wurden auf der Bauhelling demontiert und eingeschmolzen.

Die „BV 238 V 1“ war das größte Wasserflugzeug des Krieges.

 

Der Bausatz:     

Der vorliegende 1:72er Bausatz ist ein Vakubausatz der Firma Airmodel und hat zusammengebaut folgende Maße:

Länge                           : 63,0 cm.
Spannweite                   : 90,0 cm
Rumpfhöhe                   : 9,0 cm.

Alles in allem ein Riesenvogel, sowohl im Original, wie im Modell. Meines Wissens (Herr Schuch) ist in diesem Maßstab nur die „B-36 Peacemaker“ von Revell-Monogram etwas größer.


Ein Vakubausatz ist ein Tiefziehteil nach dem Prinzip der Blisterverpackungen, daher muß man an hier ganz anders vorgehen als an einen Spritzgussbausatz. Wenn man die Platte vor sich liegen hat, wird zuerst ein schwarzer Filzstift gebraucht. Damit umzeichnet man eng alle Konturen der auszuschneidenden Teile.

Nun zum Ausschneiden:

Hier hatte ich früher erhebliche Probleme, was dazu führte, daß ich mich jahrelang nicht an einen Vakubausatz herantraute. In einigen Veröffentlichungen zu diesem Thema wird geraten, das Modell mittels Schere, Laubsäge oder einer Dekupiersäge auszuschneiden. Man sollte aber auf alle Fälle die hier beschriebene Methode verwenden, da diese wesentlich effektiver, einfacher und schneller ist. Hier der für mich einfachste und auch schnellste Weg :

Direkt an der Kante des Modells mit einem spitzen scharfen Messer (es geht auch eine stabile Schneidnadel) mit Druck um die zuvor angezeichnete Kontur herumfahren. Das Material muß nicht durchtrennt werden, denn das benötigte Bauteil kann nach dem Anritzen problemlos aus der Platte gebrochen werden. Bei Kleinteilen ist es gut, den Schnitt bis zur Plattenkante durchzuziehen, das erleichtert das Ausbrechen.

Nun zu einer weiteren Besonderheit beim Bau eines Vakubausätze; dem Materialabtrag. Hier kommt wieder der schwarze Rand ins Spiel. Mit Materialabtrag ist gemeint, daß die Materialstärke der Plastikplatte von dem Bauteil entfernt werden muß (nur das, was auf der Platte heraussteht, wird gebraucht), sonst stimmt die Passgenauigkeit nicht, also z.B. das Profil eines Flügels. Dazu habe ich auf einem Brett eine Lage Sandpapier mittlerer Körnung aufgeklebt. Hier kann man ohne große Mühe das Abtragen vornehmen, und zwar bis zur Unterkante des schwarzen Striches, der ja beim Anzeichnen an der Oberfläche der Platte auflag und jetzt schön die Grenze des Schleifvorgangs anzeigt. Ist der Strich erreicht, stimmen die Maße wieder. Beim Abschleifen immer mal wieder den Abstand kontrollieren da ein zuviel meist das Ende des Modells bedeutet.


 

Vor dem weiteren Zusammenbau werden die Öffnungen für die Bullaugen gebohrt bzw. ausgefeilt und mit Klarsichtmaterial hinterklebt. Bevor das jedoch geschieht, sollte man den Innenrand der Öffnungen mit der späteren Außenfarbe lackieren

Hat man alle Teile soweit vorbereitet, geht es an den Zusammenbau. Da das Ausgangsmaterial Polysterol ist, kann auf den üblichen Plastikkleber zurückgegriffen werden. Kleinere Teile können direkt zusammengeklebt werden, für Größere empfiehlt sich eine Stütze im Innern einzubauen, entweder durch Querwände oder, so wie ich es getan habe, durch Längsversteifungen. Da die Klebeflächen am Modell sehr dünn sind und nur bei den Kleinteilen halten sollte man die Klebekanten mittels Resten der Ausgangsplatte verstärken.
Ein derart großer Rumpf wie bei der „BV 238“ erfordert eine gute Innenverstrebung, die ich mittels einer Längsplatte und Querverstrebungen zur Außenhülle hergestellt habe. Auch hier muß daran gedacht werden, die Dicke der Längstrennwand vom ursprünglichen Rumpfquerschnitt abzuschleifen. Da der Rumpf aus 4 Teilen besteht und alle auf diese Weise bearbeitet werden, hat das Modell nun eine starke Verwindungsfestigkeit.
Da bei älteren Vakubausätzen die Gravur der Oberfläche entweder gar nicht, oder nur schwach ausgeprägt vorhanden ist, muß nachgraviert werden. Um die Blechstöße auf beiden Seiten des Rumpfes gleichmäßig zu machen habe ich die Bauteile mit Doppelklebeband Rücken an Rücken auf einem Brett befestigt. Dadurch kann man die Gravur am Stück durchziehen und hat auf beiden Seiten gleiche Abstände. Manche der Linien, besonders an den Flügeln, sind regelrechte Gräben und sollten verspachtelt werden. Ich nehme dazu Autospachtel aus der Tube und zwar wie folgt: Auftragen, glätten und sofort mit einer feinen Reißnadel und einem Lineal den neuen Blechstoß nachbilden. Danach durchtrocknen lassen und fein verschleifen. Die Nut bleibt weiterhin sichtbar.


Vor dem Zusammenkleben der vorderen Teile muß der Cockpitboden und die abschließende Querwand ausgemessen und zurechtgeschnitten werden. Hierzu wird in der Längswand eine entsprechende Öffnung gelassen.
Nun die Rumpfviertel zusammenkleben. Vorsicht! Hier passen sie nicht ganz genau aufeinander. Also gut vermitteln und die Klebekanten später verspachteln. Bei diesem Modell muß man recht häufig spachteln, da es, bedingt durch die Länge, bei der Herstellung zu einigen Einsinkungen kommen kann. Auch bei großflächigen Spachtelarbeiten verwende ich Autospachtel da er sich nicht zusammenzieht.
Nun muß an dieser Stelle natürlich die Gravur wieder hergestellt werden. Ritzt man auf dem getrockneten Spachtel, fliegt der Auftrag in Brocken weg und man darf wieder neu anfangen. Hierzu ein Tipp: Nach dem durchtrocknen den Spachtel mit flüssigem Superkleber versiegeln. Der Kleber dringt etwas in die Poren ein und erzeugt eine hochfeste Oberfläche. Diesen Belag nochmals glatt schleifen und dann mit wenig Druck nachgravieren. Nun klappt das problemlos.

Die Bv 238 hat unter dem Rumpf so genannte Abreißkanten. Sie brechen den Sog des Wassers, so daß das Flugzeug überhaupt abheben kann. Die Abreißkanten sind in mehreren Stufen hintereinander angebracht und werden im Modell mit Evergreen Streifen nachgebildet.


Die Flügel:
Die beiden Flügelhälften werden miteinander verklebt und danach die Längsstreben eingezogen. Da auch die Flügel viergeteilt sind wurde an den jeweiligen Seitenkanten Querplatten aufgeklebt. Bei den Äußeren Teilen sind die Längsverstrebungen zugleich die Wände des Schwimmerschachtes, der dann mit Evergreen-Strips ausgearbeitet wurde.
Nach dem Verkleben aller Teile werden die Bohrungen für den Flügelholm angebracht. Der Hauptholm ist ein 10 mm Messingrohr und die hintere Stütze ein Schweißdraht.

Nachdem alles soweit bearbeitet ist, werden nun die Motoren vorbereitet. Nach dem detaillieren aller sechs Motoren werden sie an die Flügelkante angeklebt Wegen der Größe des Gesamtmodells habe ich die Flügel und Leitwerke abnehmbar gebaut.

Jetzt wird der Flügelansatz am Rumpf angepasst, ein selbstgefertigtes Teil, um einen glatten Übergang zwischen Flügel und Rumpf zu erreichen. Danach werden Löcher in den Flügelansatz und den Rumpf gebohrt und ein Plastikrohr zur Führung der Flügelholme eingesetzt.


Jetzt wird die Außenstruktur des großen seitlichen Ladetors und dessen Gleitschienen nachgebildet. Es folgen der große Mess-Sondenmast, der aus einer Strebe zurechtgefeilt ist und die Antenne.
Da die Luftschrauben und Spinner nicht zu gebrauchen sind habe ich einen passenden Propeller - von einer „BV 138 Holzschuh“- aus der Krabbelkiste umgebaut Zum Thema Krabbelkiste: Sie sollte beim Bau von Vakus groß und gut gefüllt sein. Auch sind Zurüstsätze sehr vorteilhaft. Ich konnte beim Cockpit Innenausbau auf den Teileservice von Revell zurückgreifen. Die gesamte Einrichtung stammt von der „BV 222 Wiking“ dieser Firma. Da im Original beide Führerstände gleich eingerichtet sind, bot sich das geradezu an. Um die ansprechende Inneneinrichtung sichtbar zu lassen, habe ich die Cockpithaube nicht aufgesetzt, sondern zurückgeklappt dargestellt. Im Original ging das natürlich nicht.
Nun wird die Passung der Flügel an den Rumpf getestet (sie passten, ein Wunder bei mir) und die Seiten-Höhenruderbaugruppe aufgesteckt. Da das Modell auseinandernehmbar ist, bleibt ein kleiner Spalt am Rumpfansatz. Für die Haftung sowohl der Flügel am Rumpf, der Masten auf dem Rumpfrücken und der Propeller an den Motoren habe ich Magnete verwendet. Es sind Neodynmagnete die eine hohe Haftkraft bei einem kleinen Durchmesser haben.

Die Bemalung setzt sich aus „Gunze–Sanyo RLM 65 hellblau“ für die Unterseite sowie „RLM 72“ und „RLM 73“ für die Ober- und Seitenbereiche, sowie die Tarnung zusammen.
Die Kennung habe ich mit Letrasetbuchstaben angefertigt, die Balkenkreuze sind Reste anderer Bausätze. Zum Abschluss wurde noch ein alter Ständer für ein Wikingerschiff zweckentfremdet, die Halterungen dem Rumpfprofil angepasst und das Teil mit Gips zum besseren Stand ausgegossen. FERTIG !!!!!!

Endlich, nach 2 (!) Jahren Arbeit, nachdenken und nicht wenig rumfluchen steht sie vor mir, die „BV 238 V 1“.

 

Das fertige Modell:     

Nachdem sie auf der Messe in Sinsheim und der Ausstellung in Mainz gezeigt wurde, steht sie nun in einer Vitrine im Modellbaumuseum des Technikmuseums in Speyer.


 

Quellennachweis.
Luftfahrt History Heft 1  Lautec Software und Medien GmbH.
BV 238 V1 Modell von AIRMODEL   www.Airmodel.de

published: 24.08.2010